Wer bestellt, muss zahlen – Warum die ambulante Pflege faire Rahmenbedingungen braucht
Die ambulante Pflege steht vor großen Herausforderungen. Darüber wird aktuell viel gesprochen – in der Politik, bei den Pflegekassen und in den Medien. Doch wie wirken sich politische Entscheidungen eigentlich auf die tägliche Versorgung von Pflegebedürftigen aus?
Aus der Reihe: Rettet die ambulante Pflege
Im Buch „Rettet die ambulante Pflege“ beschreibt unser Geschäftsführer Tonio Riederer von Paar zahlreiche Entwicklungen, die ambulante Pflegedienste derzeit beschäftigen. Eines der zentralen Themen ist die Finanzierung der Pflege. Denn gute Pflege kostet Geld – und genau hier entsteht zunehmend ein Spannungsfeld.
Gute Pflege braucht gute Mitarbeiter
Pflegekräfte leisten jeden Tag einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft. Sie unterstützen Menschen dabei, möglichst lange in ihrem eigenen Zuhause leben zu können, übernehmen medizinische Aufgaben und begleiten Pflegebedürftige oft über viele Jahre hinweg.
Dass diese Arbeit angemessen bezahlt werden muss, steht außer Frage.
Mit der verpflichtenden Tarifanlehnung wurden in den vergangenen Jahren die Gehälter vieler Pflegekräfte deutlich angehoben. Das war ein wichtiges Signal für die Branche und für die Menschen, die täglich Verantwortung übernehmen.
Doch mit höheren Löhnen steigen auch die Kosten der Pflegeunternehmen.
Das Problem: Steigende Kosten, unzureichende Refinanzierung
Die aktuelle Diskussion um das geplante GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz macht deutlich, warum viele ambulante Pflegedienste derzeit mit Sorge auf politische Entscheidungen blicken. Während die Anforderungen an die Versorgung und die Vergütung der Mitarbeitenden steigen, droht an anderer Stelle die wirtschaftliche Grundlage der Versorgung geschwächt zu werden.
Unabhängig vom konkreten Ausgang der politischen Beratungen macht die Debatte deutlich, vor welcher grundsätzlichen Herausforderung die ambulante Pflege steht: Steigende Kosten müssen zeitnah und verlässlich in den Vergütungssystemen berücksichtigt werden, damit Versorgung langfristig gesichert werden kann.
Wenn Budgets nicht mitwachsen
Ein weiterer Aspekt wird in der öffentlichen Diskussion oft übersehen.
Steigen die Vergütungssätze für einzelne Leistungen, bedeutet das nicht automatisch, dass Pflegebedürftige mehr Geld von der Pflegeversicherung erhalten. Viele Leistungen werden aus festen monatlichen Budgets der Pflegeversicherung finanziert.
Wachsen diese Budgets nicht im gleichen Umfang wie die Kosten, entsteht ein Problem: Pflegebedürftige können entweder weniger Leistungen in Anspruch nehmen oder müssen zusätzliche Eigenanteile leisten.
Für viele Familien ist das eine schwierige Situation.
Dabei sollte das Ziel doch eigentlich sein, Menschen möglichst lange und gut in ihrem Zuhause versorgen zu können.
Versorgung braucht Planungssicherheit
Ambulante Pflege funktioniert nur dann dauerhaft, wenn Pflegeunternehmen wirtschaftlich stabil arbeiten können.
Dazu gehören nicht nur motivierte Mitarbeiter und eine gute Organisation. Es braucht auch verlässliche Rahmenbedingungen, nachvollziehbare Refinanzierungsmodelle und eine Politik, die die Auswirkungen ihrer Entscheidungen bis in die Praxis hinein mitdenkt.
Denn am Ende geht es nicht um betriebswirtschaftliche Kennzahlen allein. Es geht um die Frage, ob pflegebedürftige Menschen auch in Zukunft zuverlässig versorgt werden können.
Unser Fazit
Die ambulante Pflege braucht keine Sonderrolle. Sie braucht faire und verlässliche Rahmenbedingungen.
Wer bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne und eine stabile Versorgung möchte, muss gleichzeitig dafür sorgen, dass diese Leistungen nachhaltig finanziert werden können.
Oder anders formuliert: Wer bestellt, muss zahlen.
Genau diese Zusammenhänge beschreibt Tonio Riederer von Paar auch in seinem Buch „Rettet die ambulante Pflege“. Sein Appell: Politische Entscheidungen müssen sich an der Realität der Versorgung orientieren – damit ambulante Pflege auch in Zukunft verlässlich möglich bleibt.